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Dieser Artikel hat eigentlich nichts mit software zu tun, außer dass er die Erlebnisse eines Programmierers beschreibt. Außerdem ist es ein netter Zeitvertreib.

Der Artikel erscheint hier als deutsche Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Matt Stephens und javelinsoft

 

Ein Programmierer in China

Von Dino Fancellu 30.10.2002
deutsche Übersetzung von Rosemarie Dietrich

Vor kurzem habe ich ein nettes chinesisches Mädchen geheiratet. Dann sind wir nach China gefahren, teils um ihre Verwandten zu besuchen aber auch um uns ein wenig umzusehen und einige Wochen als Touristen unterwegs zu sein. Dieser Artikel fasst meine Erlebnisse während dieser Reise zusammen.

Logisch, dass die Reise mit dem Flug begann, per Virgin Airlines. Es waren zwölf Flugstunden - eine lange Zeit, in der man eingesperrt ist. Der Rücksitz des Vordermanns hatte einen kleinen Bildschirm, mit dem ich einige Filme sehen konnte. Nicht schlecht.

Dann die Ankunft in Hongkong. Heiß, feucht und stinkig (ich meine natürlich Hongkong - obwohl ich mich nach dem Flug wahrscheinlich in einem ähnlichen Zustand befand).

Die Mädchen in Hongkong waren ziemlich hässlich, die Männer klein und zierlich. Eigentlich habe ich so etwas noch nie gesehen. Ich sah einen jungen Mann mit Wespentaille. Das ist wirklich nicht übertrieben. Ich hätte ihn mit einer Hand am Gürtel hochheben können. Ich entschied mich jedoch, das zu unterlassen.

Es fiel mir auf, dass es sehr sehr wenige fette Leute gab.

Das Hotelzimmer hatte Internetzugang. Nicht schlecht. Ich schloss das Laptop an. Ich war wieder vollständig.

Das Essen mochte ich nicht. Kantonesisches Essen ist etwas fad und besteht oft aus Fischgerichten. Ich mag nichts "fischiges". Es herrscht Linksverkehr. So wie zu Hause.



Shenzen.
offensichtlich nicht alles davon

Zwei Tage später fuhren wir nach Shenzen. Die Mädchen waren hübscher und das Essen viel besser, eher wie in Szezuan oder Hainan. Scharf und würzig. Außerdem verdammt billig, ein gutes Essen für sieben Leute kostete 11 Pfund. Das Bier ist auch billig, eine 3/4 l Flasche für 20 pence. Schmeckte gut, das Zeug.

Glücklicherweise konnte man über Telefonleitung ins Netz. So bekam ich eine solide 56K Verbindung. Ein Internetcafe zu finden war auch nicht schwierig. Kostete weniger als 30 pence pro Stunde.

Ganz Shenzen ist eine einzige Baustelle. Auch so ist die Stadt sehr laut. Die Leute im Internetcafe spielten Videos volle Pulle. Anscheinend verschwenden die keinen Gedanken an "andere Leute".

Aus irgend einem Grund gingen wir abends mal in einen Nachtclub. Der reinste Horror. Laut, laut und nochmals laut.

 



Shenzen ist eine Stadt die aus den Reisfeldern wuchs.

Im Gegensatz zu GB und Hongkong herrscht Rechtsverkehr. Auch links. Und in der Mitte. Komplettes Chaos.

Niemand legt einen Gurt an. Fußgänger handeln nach dem Motto: was ich nicht sehe, überfährt mich nicht. Kein Witz. Die Freunde eines Unfallopfers sagten, das sei doch unglaublich, denn "er hat das Auto ja überhaupt gar nicht gesehen".

Die Fahrzeuge scheinen mit Absicht bei Rot über die Ampel zu fahren, sie scheinen Dich anfahren zu wollen, wenn Du die Straße an einem Zebrastreifen überquerst etc..

Ständiges Gehupe. Und sei es nur um zu verstehen zu geben: Achtung ich komme, bitte keine Kehrtwendung und nicht die Fahrbahn wechseln. Blinker natürlich unbekannt.

Fahrräder benutzen jegliche Straßenfläche - entgegengesetzt in die Einbahnstraße? Ist doch in Ordnung. Fahrräder fahren mit Vorliebe in der Straßenmitte, nicht wie bei uns, wo sie normalerweise am Straßenrand sind. Fahrräder fahren auch gerne zu dritt nebeneinander. Es geht nichts über einen netten Tratsch während man den Verkehr blockiert. Fahrräder haben keinerlei Beleuchtung - also aufgepasst wenn es Nacht wird.

Motorräder: normalerweise der Fahrer plus je einen Passagier rechts und einen links auf dem Rücksitz passt keine Zeitung mehr dazwischen. Sonst wie Fahrräder. Autos haben eine fast pathologische Angst vor dem Spurwechsel. Ob Autos haufenweise unterwegs sind oder niemand, sie kleben in der Spur. Vielleicht leiden sie unter der Zwangsvorstellung eine Straßenbahn zu sein und von der Straße abzukommen, wenn keine weißen Striche unter den Rädern sind. Witzlos zu sagen, dass dieses Verhalten dem Verkehrsfluss nicht besonders zuträglich ist.

Autobahnen in und um Shenzen sind unbeleckt von altmodischen Begriffen wie Straßensicherheit. Leute gehen zu Fuß auf Autobahnen. Leute parken auf Autobahnen. Leute fahren natürlich Fahrrad auf Autobahnen. Autofahrer fahren bedenkenlos rückwärts auf Autobahnen usw. Mir stand der Mund offen, bei dieser fortschrittlichen "agile" Interpretation der Verkehrsregeln.

Jedermann scheint völlig egoistisch und erwartet von den anderen das gleiche.

Leute spuckten auf den Gehweg, pissten auf den Gehweg. Kinder rannten nackt umher. Wir gingen an einem Restaurant vorbei, vor dem ein toter halbierter Hund hing. Der Hund war die Speisekarte.


Einige Tage später fuhren wir nach Xian. Sehr trocken und staubig. Viel kühler. Überhaupt nicht feucht. Staubig. Staubig. Staubig.

Internetcafe 10 pence die Stunde. Hurra. Das war ein glücklicher Zufall, denn das Hotelzimmer hatte keinen gescheiten Zugang zum Netz. Die Telefonleitung brachte schlappe 22K zustande.

Viele Straßen in Xian haben keine Zebrastreifen. Die übliche Vorgehensweise zur Überquerung der Straße: einfach hinein und Gott befohlen. Entzückend.

Wir sahen uns die Terracottakrieger an. Nicht weiter aufregend. Wir fuhren mit dem Bus. Der Fahrer sprach ein interessantes Englisch. Bei fast perfekter Grammatik eine Aussprache, wie ich sie seltsamer noch nicht gehört habe. Es schien eine Mischung aus Chinesisch, Amerikanisch und weiteren mysteriösen Zutaten, die ich nicht identifizieren kann. Sogar Jenny machte sich vor Lachen nass. Um die Mittagszeit gab es in einem chinesischen Restaurant "Scheinies Lönsch". Das musste ich leider bestätigen, denn das Essen hatte keine entfernte Ähnlichkeit mit dem chinesischen Essen das ich kannte. Die Grundzutat war faseriger, alter Kohl, den der Reiseleiter nicht zu essen beschloss. Sehr lustig.



Eine Strasse in Xian

Von Xian fuhren wir nach Shanghai. Das Wetter war zwar feuchter als in Xian, aber weniger feucht als in Hongkong. Der Verkehr war viel besser, aber immer noch Wahnsinn.

Das Essen war recht ordentlich. An den Nachbartischen war es sehr laut mit vielen Toasts und Geschrei. Wie Bauern auf einem Tagesausflug. Ich musste einem der Kerle in den Arsch treten, als er sich bei uns am Tisch breit machen wollte. Seltsam.

Das Hotelzimmer (Hotel Equatorial) war sehr ordentlich.


Überraschenderweise wurde ich kein einziges mal krank. Das ist merkwürdig, wenn man bedenkt, mit wieviel fremden Keimen man in Berührung kam.

Die Toiletten sind immer noch oft einfach ein Loch in der Erde. Auf vielen öffentlichen Toiletten bei McDonalds oder Kentucky Fried Chicken gibt es kein Toilettenpapier. Das ist kein Versehen. Das ist Absicht. Man denkt, die Benutzer klauen das Papier. Man muss immer Papier dabeihaben.

Man braucht auch nicht den Versuch zu machen, Zahnseide zu kaufen. Die ist so gut wie unbekannt.

Eine ganz winzige Sache - Kreditkarten kann man vergessen. In den meisten Läden in China gucken Sie Dich an, als ob Du nicht bei Trost wärst, wenn Du versuchst, mit der Karte zu bezahlen. Geldautomaten kannst Du auch vergessen, sie funktionieren auch nicht. Chinesische Computer sprechen nicht mit unseren.

Ein sehr nützlicher Tipp um in China an Geld zu kommen: nimm Deinen Pass und die Kreditkarte mit zur Bank. Dann bekommst Du chinesisches Geld. Andernfalls wirst du verhungern.


Chinesisches Essen in China ist ziemlich anders als in GB. Es gibt Knochen im Fleisch und sie essen gerne Fett und Knorpel. Nichts mit knuspriger Ente. Sie haben ein anderes Rezept - nicht sehr knusprig.

Es ist sehr schwierig, süß-saure Rippchen zu bekommen. Oft bekommt man drei Zentimeter große Rippenstückchen mit Fett. Lecker.

In GB kommen die Gerichte aus vielen Provinzen und sind natürlich auf unseren Geschmack zugeschnitten. Die Restaurants in China beschränken sich auf eine Provinz und haben dann natürlich nicht unsere Lieblingsgerichte wie süß-saure Rippchen, Hühnchen mit Zitrone, Nudeln (jawohl. Oft gibt es nur Nudelsuppe oder Mehlklößchen) oder scharfe, saure Suppe.

Die kantonesische Küche wird oft Fisch beinhalten, auch wenn das nicht auf der Karte steht und auch wenn man darum bittet, den Fisch wegzulassen.

Die besten Gerichte sind nach meiner Ansicht aus Szezuan und Hainan. Hähnchen Kung Po haben dankenswerterweise keine Knochen. Entbeinte Gerichte sind etwas teurer. Rindfleisch mit Soße aus schwarzen Bohnen war in Schanghai recht ordentlich. Wir waren im Lulu-Restaurant (in Schanghai gibt es vier Stück). Sehr gute Küche. Der Anteil an Fleisch scheint jedoch geringer als zu Hause. Wenn man keine Knochen will, isst man am besten Schweinefleisch.

Die Fleischstückchen sind sehr klein. Zu Hause ist ein Stückchen Schweinefleisch oder Hähnchen mundgerecht. In China ist es etwa so groß wie eine Erbse. Man bekommt auch selten kleine Champignons oder Paprikagemüse oder Frühlingszwiebeln.



Nochmal Shenzen

Von Shanghai fuhren wir wieder nach Shenzen zurück. Einige Male versuchten Taschendiebe mich zu bestehlen (etwa acht). Ich nicht amüsiert. Ich sagte zu Jenny: "So ein dreister Scheißer versucht gerade, mich zu beklauen!" und machte den Effenberg. Erschrocken über meinen harschen Dialekt, verpisste er sich. Zwei Leute vor uns machten mich wütend. Sie gingen ganz langsam, so dass wir nicht vorbei konnten und taten so als ob sie laut telefonierten und gestikulierten dabei wild. Vorsicht! Verdammter Chinamann!

Es gab noch einige gute Mahlzeiten. Wir fuhren nach Hause. Flugzeug hatte on-demand Video. Cool. Schaute mir Men in Black II (ok) und Undercover Brother an.


 

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